Rollfähige Akkumulatoren als Ersatz für den Stromverbraucher Nachtspeicherofen?

Wo 2019 etwa die Hälfte der Primärenergie für Zusatzstrom gewonnen wurde – Photo by Pixabay on Pexels.com

Fans von Elektrospaßmobilen mangelt es nicht an Ideen, um ihren Stromverbrauch zu rechtfertigen. Ein Beispiel: „Die reine Substitutionsbetrachtung per Marginalstrommix ist inkorrekt, weil es das EEG gibt. Dieses schreibt einen EE-Ausbaukorridor *relativ* zum Gesamtstromverbrauch vor. Wird mehr verbraucht (z.B. durch E-Autos), so muss mehr EE-Kapazität zugebaut werden. Dies führt dazu, dass das Einstecken eines E-Autos den Kraftwerkspark *verändert*, zumindest in einer Durchschnittsbetrachtung. Will man unbedingt weiterhin den Marginalmix für E-Autos bemühen, so stellt man fest, dass dieser dank EEG dem Strommix der *zugebauten* Kraftwerke entspricht, der naturgemäss CO2-ärmer ist als der aktuelle Strommix.“

Das entspricht dem Versuch, jeglichen zusätzlichen Stromverbrauch von Treibhausgasemissionen freizusprechen, und kommt tatsächlich der Parole „Kauft mehr Nachtspeicheröfen!“ gleich. An diesen Behauptungen ist alles falsch:

  • Einen gesetzlichen Zwang zum EE-Ausbau bei größerem Strombedarf gibt es nicht

    Im EEG wird zwar ein Ausbaukorridor in Prozent des Stromverbrauchs angegeben, doch findet dieser sich nur im Abschnitt „Ziele“ wieder. Der Korridor gibt an, welche Ziele erreicht werden „sollen“, d.h. welchen Fortschritt man zu erzielen hofft. Wird eine höhere Ökostromquote erreicht, so gilt dies als Erfolg. Andernfalls wurde das Ziel halt verfehlt. An keiner Stelle des EEG ist festgelegt, dass dann mehr EE-Kapazität ausgebaut werden muss.
  • Die Förderung von EE ist nicht an den Bedarf gekoppelt

    Die Förderung von Windkraft- und Solaranlagen wird langfristig zurückgefahren. Wird zu wenig ausgebaut, so geschieht dies etwas langsamer, um den Ausbau zu beschleunigen; wird die EE-Kapazität hingegen unerwartet rasch ausgebaut, wird die Förderung schneller zurückgefahren, um die Kosten zu begrenzen. Die Staffelung erfolgt in absoluten Schritten von je 200 Megawatt Stromerzeugungsleistung; vom Strombedarf ist in diesem Kontext keinerlei Rede.

Wird die angestrebte Ökostromquote verfehlt, so kann es dafür verschiedene Gründe geben, z.B. Widerstand gegen neue Windräder, Abbau alter Windräder aufgrund auslaufender Förderung – oder eben die Einführung neuer Stromverbraucher wie Wärmepumpen und Elektroautos. In diesem Fall ist niemand zu irgendetwas verpflichtet: Weder müssen weitere Elektroautokäufer Strafgebühren zahlen, noch können Kraftwerksbetreiber zur Errichtung von mehr Windrädern verpflichtet werden. Ein Wirkungszusammenhang, wonach mehr Elektroautos zu mehr EE-Kapazität führen, lässt sich aus dem EEG nicht ableiten. Das ist entweder ein Irrtum oder aber ein vorsätzlicher Täuschungsversuch.

Eine höhere Ökostromquote kann gleichermaßen durch EE-Ausbau wie durch Stromsparen erreicht werden. Elektroautos sind zusätzliche Stromverbraucher und bewirken das genaue Gegenteil: Sie erhöhen die Produktion fossilen Stroms und senken die Ökostromquote – genauso wie Nachtspeicheröfen.

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