Meinungsbasierte Wissenschaft

Reinhard K. Sprenger, ein bekannter Autor von Managementliteratur, hat in der NZZ einen bemerkenswerten Artikel veröffentlicht:
So funktioniert der neue Behauptungsdespotismus: Man zitiert ein paar wissenschaftliche Studien, und dann ist Ruh

Darin führt er Beispiele auf, wie Wissenschaft instrumentalisiert wird, um vermeintliche, bei näherem Hinsehen jedoch schwach fundierte Wahrheiten zu vermitteln:

  • «Sprache prägt das Bewusstsein»
  • «Gemischte Teams entscheiden besser»
  • «Gewinn und Aktienkurs steigen, wenn eine Frau in der Geschäftsleitung ist»
  • «Arbeitszufriedenheit macht produktiv»
  • «Ökonomischer Erfolg ist planbar»

Einen Passus möchte ich besonders hervorheben:

„Beim Verweis auf die Wissenschaft ist mithin Vorsicht geboten. Häufig werden Meinung und Wahrheitssuche, objektive Standards und volkserzieherische Zwecke verwechselt. Zu sehr wird «im Auftrag» geforscht, zu oft verwässern individuelle Reputations- und Finanzinteressen die wissenschaftsethischen Richtmasse. Wissenschaftsbasierte Meinung mutiert dann zur meinungsbasierten Wissenschaft.“

Das ist auch Thema meines Buches, wenn auch anhand eines anderen konkreten Beispiels, nämlich der Elektromobilität.
Wissenschaftlern war es lange Zeit selbstverständlich gewesen, den steigenden Ladestrombedarf in Lebenszyklusanalysen als Zusatznachfrage zu bilanzieren, die nur von regelbaren, also de facto fossilen Kraftwerken gedeckt werden kann. So schnitt das Elektroauto im Hinblick auf die Treibhausgasemissionen keineswegs günstiger ab als konventionelle Fahrzeuge.
Die politischen Entscheider wollen solche Botschaften aber nicht mehr hören. Sie finanzieren nur noch Studien, in denen Elektroautos angeblich Durchschnittsstrom laden, der auch Ökostrom enthält. Problem: Dieser hat bereits Abnehmer und kann nicht noch einmal verbraucht werden.
Das stört die Verfasser der neueren Arbeiten nicht. Häufig sind es sogar ein- und dieselben Personen, die in früheren Projekten noch den Marginalstromansatz anwandten und im Laufe der Jahre kommentarlos zum Durchschnittsstrom wechselten. Sie sehen wohl keine andere Möglichkeit mehr, politisch gewünschte Ergebnisse zu produzieren, die sich an staatliche Auftraggeber verkaufen lassen.

Der Zweck dieser Publikationen lässt sich mit Sprengers Worten präzise beschreiben:
„Wer also Wissenschaftlichkeit reklamiert, will die Dinge festzurren, will, dass die Leute nicken, den Widerstand aufgeben. Weil die Dinge so sind, wie sie sind, eben «alternativlos». Wissenschaft ist Wahrheit, und nur wir haben privilegierten Zugang zu ihr.“

Das Ergebnis ist eine Absurdität: Systematisch fehlerhafte Studien legitimieren staatliche Zwangsmaßnahmen, um das Elektroauto durchzusetzen und Industriebranchen zu vernichten – ohne auch nur ein Gramm Treibhausgas einzusparen! *

Sprengers Schlussplädoyer stimme ich daher uneingeschränkt zu: „Wir sollten uns unsere Freiheit nicht wegvernünfteln lassen von einer interessegeleiteten Präsentation von Wissenschaft.“

.

.. *) Detaillierte und vor allem belastbare Belege und Begründungen für diese Behauptung finden Sie dort: https://derelektroautoschwindel.wordpress.com/das-buch/

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