Er hat es schon wieder getan

VW-Chef Diess hat ein weiteres Mal allen Einfluss des Volkswagens-Konzerns geltend gemacht, um die deutsche Energiewende dessen Gewinninteressen unterzuordnen.

Die Printausgabe des SPIEGEL meldete vor kurzem, dass Diess sich in einer Vorstandssitzung des VDA mit einem Machtwort gegen den Vorschlag einiger Zulieferer (wie z.B. BOSCH) durchgesetzt hat, ein Bonuspunktesystem für eFuels einzuführen. Seine fadenscheinige Begründung lautete, Autohersteller „seien generell nicht für Qualität und Klimafreundlichkeit von Kraftstoffen zuständig und konzentrierten sich darauf, die CO2-Werte ihrer Antriebe zu verbessern.“

Sein wahres Motiv erwähnt er nicht.

Diess hat alles auf eine Karte gesetzt und möchte nicht die Profitabilität des VW-Konzerns mindern, indem parallel zu den E-Autos auch die Verbrenner weiterentwickelt werden müssen. Sein Kurs steht aufgrund der großen Macht des VW-Konzerns in Verbänden und seinem Einfluss auf politische Entscheider jedoch in Konflikt mit dem Gemeinwohl. Das folgt u.a. aus einer Studie von Ludwig Bölkow Systemtechnik und dena, die Diess gewiss auch gerne unter den Tisch kehren würde. Zitate daraus:

  • E-Fuels sind notwendig, um die EU-Klimaschutzziele des Verkehrssektors zu erreichen.
  • Der Endenergiebedarf aller Verkehrsträger der EU wird im Jahr 2050 selbst in einem stark batterieelektrifizierten Verkehrsszenario zu mehr als 70% von E-Fuels gedeckt werden. Der größte Teil dieser E-Fuels wird dabei für den Flug-, Schiffs- und Straßengüterverkehr benötigt.

In dieser Studie wurde nur der Verkehrssektor betrachtet. Weitaus wichtiger noch ist, dass zurzeit 80 % der gesamten verbrauchten Primärenergie fossilen Ursprungs ist. Diese Lücke wird sich nur durch Importe großer Mengen von Synfuels und Wasserstoff schließen lassen. Deren staatliche Förderung möchte Diess aufgrund seines einzelwirtschaftlichen Eigeninteresses unterbinden lassen. Doch je länger Europa mit dem Aufbau entsprechender Produktionskapazitäten (v.a. im wind- und sonnenreichen Ausland) wartet, umso mehr wird sich die Energiewende verzögern.

Diess‘ Machtspiele schaden also der zukünftigen Energieversorgung Europas. Damit setzt er eine ungute Tradition fort. Tatsächlich ist er nämlich über die hohen CO2-Emissionen der Elektromobilität genauestens im Bilde. 2018 meinte er in der Fachzeitschrift „Automobil Produktion“:

„Denn die Wahrheit ist: Sie stellen nicht auf Elektro um, sondern auf Kohlebetrieb. Und wenn Sie dann noch mit Kohlestrom fahren, wird E-Mobilität wirklich zum Wahnsinn.‘… Es sei nicht sinnvoll, Elektroautos auf die Straße zu bringen, wenn der Strom für sie aus Kohle stamme: ‚Dann fahren wir mit Kohle statt Erdöl und produzieren mehr CO2 als heute.“

Dennoch treibt er den Umstieg auf das Elektroauto seit 2019 energisch voran:

„Volkswagen-Chef Diess setzt mit Milliardeninvestitionen darauf, dass sich Elektroautos in den nächs­ten Monaten am Markt durchsetzen werden. Er warnt vor irrationalen Debatten über Alternativen.“

Der Staat habe diesen Weg mitzufinanzieren:

„Volkswagen-Chef Diess … fordert viel mehr Staatsgeld für Elektroautos.“

Wie begründet er, seit 2019 etwas zu tun, was er ein Jahr zuvor noch für Wahnsinn erklärt hatte?

Wir werden die erheblich verschärften EU-Flottengrenzwerte ab 2020 einhalten“, sagte Diess. Elektri­fizierung sei der mit großem Abstand kostengünstigste Weg zu CO2-freier Mobilität „und somit richtig für die Gesellschaft, unsere Mitarbeiter und deren Arbeitsplätze und letztlich auch für unsere Aktio­näre“.

Vier der sechs genannten Motive für die Elektrifizierung der VW-Flotte haben nichts mit der Verringerung von Treibhausgasemissionen zu tun, sondern beruhen auf einzelwirtschaftlichen Interessen des Volkswagen-Konzerns. Das ist kein Zufall.

Volkswagen verfügt durchaus über das technische Knowhow, um profitable Autos mit Verbrennungsmo­toren zu entwickeln, welche die neuen Grenzwerte einhalten können. Vor einigen Jahren war noch ein Non-Plugin-Hybridauto im Angebot, außerdem hat VW für lange Zeit auch Erdgasautos und in einer Kleinserie mit Preisen von über 100.000 € sogar einmal ein Ein-Liter-Auto angeboten. Die politi­schen Rahmenbedingungen haben auf die Entscheider aber offensichtlich nicht die geeigneten Anreize aus­geübt, diese Techniken zu kombinieren und (wie z.B. Toyota) mit sparsamen und bezahlbaren Autos die Treibhausgasemissionen zu senken. Wolfsburg setzt stattdessen auf den Verkauf von profitablen Spritschluckern:

„Volkswagen steigert Gewinn: ‚Die SUV-Offensive ist weltweit ein voller Erfolg‘“

VW-Chef Diess weiß natürlich genau, dass Elektroautos in ökologischer Hinsicht heute genauso unsinnig wie vor drei Jahren sind. Er hält den Ablasshandel mit staatlich geförderten E-Autos für den kostengünstige­ren Weg, um Strafzahlungen aufgrund der Grenzwertüberschreitungen der SUV zu vermeiden. Ziel seines Handelns ist nicht Klimaschutz, sondern Profit.

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Hinweise:
Dieser Beitrag enthält einen geringfügig veränderten Abschnitt des Buches „Der Elektroautoschwindel

Foto: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Herbert_Diess_at_IAA_2019_IMG_0200.jpg

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