Haltet die Ökostromdiebe!

Dieser Rant ist bei weitem nicht so übertrieben, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Anlass war die folgende Meldung:

Klima-Daten von Tesla: Model 3 emittiert pro Meile 60 Prozent weniger CO2 als Verbrenner … jetzt macht auch Tesla erstmals konkrete Angaben zur CO2-Bilanz zumindest seines Model 3: Sie soll über seinen Lebenszyklus hinweg selbst unter relativ ungünstigen Annahmen weitaus besser sein als bei einem durchschnittlichen Verbrenner.[1]

An dieser günstigen Bilanz ist kein Wort wahr. De facto sind E-Auto-Fahrer in den meisten Ländern der Welt Ökoferkel – sie lassen halt woanders verbrennen.

Beispiel Deutschland:

Hier liegt der Anteil an Ökostrom übers Jahr gerechnet bei unter 50 % (die legendäre Abregelung von Überschussstrom tritt nur lokal und nur gelegentlich auf, solange der Netzausbau stockt; für die Klimabilanz des E-Autos ist das ohne Belang). [2]

Kommen neue E-Autos hinzu, so können nur fossile Kraftwerke den zusätzlichen Ladestrombedarf decken. Solar- und Windkraftwerke leisten stets, was sie können; bei höherem Bedarf mehr Strom produzieren können sie nicht. Daher muss, wer behauptet, sein Elektroauto werde mit Durchschnittsstrom geladen, zum Mittel der Manipulation greifen und seine Klimabilanz frisieren. Denn Durchschnittsstrom enthält auch Ökostrom. Da dieser nicht kurzfristig vermehrt werden kann, muss jedes Watt, das einem E-Auto zugeordnet wird, anderen Verbrauchern rechnerisch entzogen werden. Das ist bilanztechnischer Ökostromdiebstahl!

(Der Hinweis auf den Stromexport ist kein valider Einwand, denn damit kann Fossilstrom aus den Netzen im Ausland verdrängt werden. Die Fossilkraftwerke endlich abschalten geht auch nicht, solange Strom aus regenerativen Energien keine Dunkelflauten überbrücken können. Der europaweite Export und Import von Strom wiederum wird in Zukunft sogar eines der wichtigsten Mittel zur Überbrückung von Dunkelflauten sein.)

Beispiel Schweiz:

Dort wird nachts Fossilstrom importiert, um die Pumpspeicher zu füllen. Diese Energie wird dann tagsüber als Ökostrom verkauft. Bei ehrlicher Rechnung verhagelt Fossilstrom aus dem Ausland daher auch den Schweizer Teslafahrern die Klimabilanz. [3]

Elektroautos sind zusätzliche Stromverbraucher, welche die Ökostromquote senken und die Energiewende verzögern.

Elektroautos zu subventionieren bedeutet, den Absatz fossilen Stroms zu fördern.

Quelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/8/8e/Lades%C3%A4ule_in_M%C3%BCnchen.jpg/800px-Lades%C3%A4ule_in_M%C3%BCnchen.jpg; Urheber Rza3100

P.S.

Hieraus lässt sich übrigens auch ein einfaches Kriterium ableiten, um die Glaubwürdigkeit von Studien über Elektroautos zu bewerten: Wo der Durchschnitts-Strommix angewandt wird, da handelt es sich nicht um ernstzunehmende, wissenschaftliche Arbeit – sondern um Anstiftung zum rechnerischen Stromdiebstahl.


[1] https://teslamag.de/news/tesla-co2-daten-60-prozent-weniger-co2-model-3-als-verbrenner-28715

[2] Mehr dazu dort: https://www.blog-der-republik.de/greenwashing-studien-affirmative-begleitforschung-zu-elektroautos-teil-1/

[3] https://mobilityintegrationsymposium.org/wp-content/uploads/sites/7/2017/11/3B_5_EMob17_154_paper_Pareschi_Giacomo.pdf

2 Antworten auf “Haltet die Ökostromdiebe!”

  1. Hallo
    Ich halte Ihre Seite für sehr einseitig gegen E-Mobilität gerichtet. Sie ist auch nicht immer korrekt mit den Argumentationen, wenngleich Sie auch mit Ihrer Kritik vieles richtig sehen.
    Sicherlich stimmen Sie mit mir überein, daß diese Welt dekarbonarisiert werden muß, will man die Warnungen der Wissenschaft ernst nehmen. Dazu gehört nun einmal, dass Dinge, wie zum Beispiel Autos, nun nicht mehr verbrennen. Dafür entsteht natürlich mehr Bedarf an Strom und dessen Herstellung. Hier liegt es an der Politik, die Stromherstellung verbrennungslos zu machen. Wenn dies in den nächsten Jahren und Jahrzehnten nicht umgesetzt wird, haben Sie mit Ihrer Seite gegen E-Autos recht.
    Ich halte es für einen guten Ansatz, die Mobilität zu elektrifizieren. Sie macht Sinn für kurze und mittellange Strecken. Sie emmitiert keine Schadstoffe lokal, da wo die Menschen sind, und ist sehr effizient in der Umsetzung Energie —> Bewegung. Sie ist aber nur die halbe Miete, die andere Hälfte steht noch aus, siehe oben.
    J.

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    1. „Dazu gehört nun einmal, dass Dinge, wie zum Beispiel Autos, nun nicht mehr verbrennen.“
      Das ist einer der wesentlichen Denkfehler. Denn es spricht absolut nichts dagegen, auch in Zukunft Kraftstoffe zu verbrennen – sofern diese aus regenerativen Energien gewonnen werden. Weil man diese lt. UBA ja sowieso in großen Mengen wird importieren müssen, ist es wegen der fahrzeugseitig bereits vorhandenen Infrastruktur ineffizient und somit fahrlässig, diese Möglichkeit der Dekarbonisierung des Verkehrs auf regulatorischem Weg heute schon abzuwürgen.

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