Auch Akku-Experten kritisieren die ideologische Borniertheit der EU-Kommission

Prof. Jens Tübke, Sprecher der Fraunhofer-Allianz Batterien, gab ein überaus interessantes Interview. Die Lektüre im Volltext lohnt!
Ich möchte nur diesen Passus zitieren:

„Wir führen ja leider nicht immer eine technologie­offene Diskussion. Wenn das so wäre, würde man sagen, alles, was Kurzstrecke oder auch kurze Ladepausen realisieren kann und keine Riesenlasten bewegen muss, ist ganz klassisch batterie­elektrisch. Lange Strecken und große Lasten wären dann eher etwas für Synfuel oder Wasserstoff. Alles, was fliegt, geht batterie­elektrisch eh nur auf der Kurzstrecke. Und was über Ozean schippert, geht auch nur mit Synfuels. So kommen diese Technologien automatisch auf den Markt.“

Volle Zustimmung! Das ist etwa auch die Botschaft meines Buches. Ich hätte nicht gedacht, das einmal von dieser Seite bestätigt zu bekommen.

In einem anderen Punkt muss ich Prof. Tübke allerdings entschieden widersprechen:

„Vor ein paar Jahren mussten die Hersteller noch die Zellen kaufen, die mit Kohlestrom produziert wurden. Inzwischen gehen sie zu denen, die Zellen mit 100 Prozent Ökostrom produzieren. Die Ökobilanz sieht so schlagartig viel besser aus.“

Das stimmt nicht.

Hinter dieser Aussage verbirgt sich ein (weit verbreiteter und daher nur wenigen bewusster) Greenwashing-Trick: Es wird versucht, eine Teilmenge des Ökostroms exklusiv bestimmten neuen Verbrauchern zuzuordnen. Somit blendet auch Prof. Tübke das Konkurrenzverhältnis des Ladestrombedarfs zur Fossilstromsubstitution aus: Grünstrom, der zur Akkuherstellung verwendet wird, kann keinen Kohlestrom aus dem Netz drängen. Das gilt auch für Grünstrom, der aus einer Erweiterung der EE-Kapazität stammt.
Von einer „schlagartig viel besseren Ökobilanz“ kann daher keine Rede sein.

Bildquelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Revolutionary_opera.jpg

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2 Antworten auf “Auch Akku-Experten kritisieren die ideologische Borniertheit der EU-Kommission”

  1. Ich finde auch diese Aussage sehr interessant:
    „Bislang ging es nur darum, Batterien mit einer ausreichenden Leistung, Sicherheit und zu vernünftigen Kosten zu entwickeln. Allerdings spielen zunehmend Fragen nach der Wiederverwertung oder auch nach dem CO₂-Aufwand bei der Rohstoff­gewinnung eine Rolle. “
    Ist ja sehr interessant das man sich das JETZT ANFÄNGT sich damit zu beschäftigen. Dem Vernehmen auch der BEV Fanboy Szene nach waren diese Probleme doch bereits lange gelöst, insbesondere das Batterierecycling sei doch überhaupt kein Problem. Manchmal fragt man sich, ob das wirklich nur die zu optimistische Sicht eines Fans ist oder ob sie wissen das sie sich selbst und andere belügen.

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    1. „Manchmal fragt man sich, ob das wirklich nur die zu optimistische Sicht eines Fans ist oder ob sie wissen das sie sich selbst und andere belügen.“
      Stimmt – manche scheinen sich bewusst dumm zu stellen.
      Andererseits hatte ich schon mit Wissenschaftlern zu tun, die es tatsächlich bloß nicht verstanden hatten. Da muss ich mir dann immer überlegen, ob ich den Kontakt wiirklich noch fortsetzen und dazu sehr, sehr diplomatisch sein möchte …

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