Greenpeace hat etwas herausgefunden!

Die ZEIT berichtet über Ergebnisse einer so genannten „Analyse“ von Greenpeace:
„Gäbe es keine großzügigen Rabatte bei der Berechnung der CO2-Emissionen und wären Abgastests realistischer, müsste die deutsche Autoindustrie Strafen in Milliardenhöhe zahlen.“

Welche Überraschung!

Wer mit offenen Augen durch die Welt geht, konnte das schon vor sechs Jahren beim Heidelberger Umwelt- und Prognose-Institut e.V. nachlesen:
„Das Problem ist, dass Elektroautos nicht mit ihrer realen Emission in die Berechnung der Flottenemission eingehen, sondern mit einer juristisch definierten „Null“-Emission. Dadurch kann die Automobilindustrie mit der Emissionsgutschrift eines Elektroautos die Grenzwertüberschreitungen von mehreren SUV oder anderen großen PKW kompensieren.“

Welche Schlüsse zieht Greenpeace nun daraus?
„Damit schneller Fortschritte für den Klimaschutz erreicht werden, fordert Greenpeace, ambitioniertere Grenzwerte festzulegen, Emissionen realistischer zu messen und alle Sonderregeln für die Berechnung abzuschaffen.“

Über sinnvolle und erreichbare Emissionsziele hätte man natürlich schon vor über 20 Jahren reden sollen. Doch was möchte Greenpeace jetzt wirklich erreichen?
„Am liebsten wäre es Greenpeace, wenn die EU gleich ein Verbot von Verbrennungsmotoren beschließt. Spätestens ab 2028.“

Das ist ein intellektueller Offenbarungseid.

Die Greenpeace-Mitarbeiter haben offenbar ein schweres Verständnisproblem: Sie begreifen nicht, dass Elektromobilität die Emissionen des Verkehrs nicht verringert, sondern in fossile Kraftwerke verlagert.

Warum die Forderung nach einem Verbrennerverbot dem behaupteten Zweck nicht dienlich ist, zeigt eine Grafik aus meinem Buch:

Es ist also mal wieder Zeit für ein paar Fakten:

  • Bei ehrlicher Bilanzierung des Ladestroms als zusätzlicher Stromnachfrage kommt heraus, dass Elektroautos noch für lange Zeit keinen Ökostrom werden tanken können.
    Ein VW Golf mit 110 PS wird daher beim Treibhausgasausstoß von keinem vergleichbar großen Elektroauto unterboten!
  • Überschüssigen Ökostrom wird es ebenfalls noch für lange Zeit nicht geben, siehe dort.
  • Erst etwa ab Mitte der dreißiger Jahre wird es allmählich immer häufiger zu Zeitfenstern kommen, in denen Ökostrom produziert werden kann, für den sich in Europa keine anderen Abnehmer finden lassen. Mit diesem Strom wird man durchaus umweltfreundlich E-Autos laden können.
    Doch das taugt nicht für den Massenverkehr. Es ist nicht mehr als eine Anwendungsnische für Gelegenheitsfahrer, die damit leben können, ihre Fahrzeuge auch mal nicht zu laden.
  • Ob Erdgas klimaschädlicher ist als bisher gedacht, ist in diesem Kontext irrelevant. Denn wenn der (zusätzliche und staatlich herbeisubventionierte) Ladestrombedarf nach Abschaltung der letzten Kohlekraftwerke von Gaskraftwerken zu decken ist, erhöht das auch die Emissionen der Elektromobilität.
  • Die Behauptung wiederum, aufgrund des Europäischen Emissionshandels könnten E-Autos gar keine höheren Emissionen verursachen, weil diese gedeckelt seien, beruht auf einem gedanklichen Taschenspielertrick. Ziel ist es, reale Emissionen durch kreative Bilanzierung im Nichts verschwinden zu lassen.
    In Wahrheit hat kein Emissionshandelssystem dieser Welt jemals eine Deckelung im Sinne einer tatsächlichen, harten Begrenzung geleistet. Wegen der unweigerlich damit verbundenen, schweren volkswirtschaftlichen Störungen wird es dazu hoffentlich auch in Zukunft niemals kommen. Mehr dazu dort: Dank Deckelung kein CO2-Ausstoß von Elektroautos?!

Greenpeace ist eine der Kampagnentruppen, die das Niveau der Diskussion über Maßnahmen zur Begrenzung der Treibhausgasemissionen massiv heruntergezogen haben. Das Ergebnis sind kontraproduktive Forderungen wie diese, deren Hauptzweck darin besteht, die Stimmen unwissender Wähler zu angeln:
Neun EU-Staaten fordern Enddatum für Verbrennungsmotor

Diese Meldung lässt übrigens bei genauerem Hinsehen hoffen. Mehr Verbündete wollten sich diesem Unfug offenbar nicht anschließen. Möglicherweise hat in den anderen 18 EU-Staaten endlich ein Nachdenken eingesetzt.

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