Wussten diese Wissenschaftler, was sie taten?

Im Juli 2020 erschien im Auftrag der EU-Kommission dieses Dokument:
Determining the environmental impacts of conventional and alternatively fuelled vehicles through LCA
Die Autoren sind Nikolas Hill, Sofia Amaral, Samantha Morgan-Price, Tom Nokes, Judith Bates (Ricardo Energy & Environment), Hinrich Helms, Horst Fehrenbach, Kirsten Biemann, Nabil Abdalla, Julius Jöhrens (ifeu), Eloise Cotton, Lizzie German, Anisha Harris, Sabine Ziem-Milojevic, Sebastien Haye, Chris Sim und Ausilio Bauen (E4tech).

Wie so viele andere beschönigen auch diese Wissenschaftler mit der Verwendung des Durchschnittsstromansatzes die Emissionen des E-Autos. Auf Marginalstrom angesprochen, antworten sie auf Seite 238:
„In addition, the generation mixes/electricity production used in the overall vehicle LCA are based on EC modelling of the whole EU energy system (including transport). These mixes therefore already fully account for the overall country and EU-wide changes/increases in demand for electricity in the future based on both increase in electric vehicle uptake (and the demand from these), as well as the multitude of other demands for electricity. In this sense they already represent the average ‚marginal‘ case for electricity. The default EU-average presentation therefore provides a clear and reasonable ‚average‘ case in the EU taking into account increased demand for electricity from all users.“

Das liest sich etwas absonderlich und ist entweder Ausdruck eines schlechten Gewissens oder von erstaunlicher Unkenntnis:
Denn auch wenn Durchschnittsstrom zukünftigen Bedarf und zukünftigen EE-Ausbau antizipiert (was er in Simulationen natürlich immer tun sollte), so bleibt er doch Durchschnittsstrom und kann keine Emissionsänderungen aufgrund marginaler Nachfrageänderungen (z.B. aufgrund des Hinzukommens eines neuen Produkts wie dem Elektroauto) wiedergeben. Das kann nur der Marginalstrom.
Der Satz „In this sense they already represent the average ‚marginal‘ case for electricity“ ist daher entweder stupide oder eine Frechheit.

Ob die Autoren sich der Tragweite dieses Absatzes bewusst sind?

Diese wenigen Sätze machen ihre Studie wissenschaftlich wertlos. Denn darin wird de facto davon ausgegangen, der im Durchschnittsstrom enthaltene, knappe Ökostrom könne bilanziell doppelt genutzt werden: Einmal von den bisherigen Verbrauchern und dann noch einmal von den E-Autos. Mit dieser systematisch falschen Methodik wird kaschiert, dass der zur Kompensation des Ladestrombedarfs notwendige Zusatzstrom in den meisten Ländern rein fossil erzeugt werden muss und der hypothetische Entfall der Elektroautos in der Regel nur die fossile Stromproduktion verringern würde. Infolgedessen werden die tatsächlichen Fahremissionen der E-Autos für die meisten Länder weitaus zu gering angegeben (in Deutschland z.B. mindestens um den Faktor 2).
Da die sonstigen Emissionen vergleichsweise gering sind, ist der Rest der 456 Seiten zur Bewertung der Klimabilanz der Elektromobilität weitgehend irrelevant – und der Begründung der EU-Kommission, den Verbrenner faktisch zu verbieten, die inhaltliche Basis entzogen.
Damit hat dieses Gremium einen Kahlschlag von Industrie-Arbeitsplätzen ausgelöst, ohne seriös nachweisen zu können, auf diese Weise auch nur ein Gramm Treibhausgas einzusparen. Die Formulierung, ein Lügengebäude sei eingestürzt, erscheint mir nicht mehr übertrieben.

Was tun?

Die verantwortlichen Politiker mit seriöser Argumentation von ihrem fatalen Kurs abzubringen, hat sich als unmöglich erwiesen. Besteht die Möglichkeit einer Organklage vor dem EuGH aufgrund der nachweisbaren Vorspiegelung falscher Tatsachen?

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Bild: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/8/84/Europaeische_Kommission_logo.svg/320px-Europaeische_Kommission_logo.svg.png

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  1. Ich befürchte der Zug ist nicht mehr aufzuhalten. Man kann vielleicht noch hoffen das die Befürworter möglichst schnell sehr erfolgreich sind damit die falschen Annahmen derjenigen nicht mehr mit im Rauschen der sonstigen Verbraucher untergehen und versteckt werden können. Mit Glück zerschellen deren Luftschlösser an der Realität bevor der angerichtete Schaden zu groß ist und wir endlich mit einer nach Kosten/Nutzen organisierten Energiewende beginnen können und nicht mehr erst Symbolthemen angehen wollen.

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