Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen

Die Leopoldina deckt den Elektroautoschwindel

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Lange Zeit hatte ich darüber nachgedacht, wegen der skandalösen Unstimmigkeiten in E-Auto-Studien etablierte und resputable Institutionen anzusprechen – wie z.B. die Leopoldina. Warum von dieser Seite bisher kein Wort des Protests zu hören war, wunderte mich allerdings schon etwas. Jetzt nicht mehr.

Die Leopoldina hat soeben ein Papier veröffentlicht:

Klimaneutralität – Optionen für eine ambitionierte Weichenstellung und Umsetzung

Was steht dort zum Thema Elektromobilität zu lesen? Man hält einen „Strukturwandel bei den Fahrzeugantrieben“ für nötig:
„Für die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Automobilindustrie ist der Über­gang zu klimafreundlichen Antrieben zentral. Auch dafür müssen beim Straßenver­kehr in Deutschland der Ausbau der Ladeinfrastruktur und die schrittweise Elektri­fizierung des Individualverkehrs mit batterie-elektrischen Antrieben vorangetrieben werden. Beim Lastverkehr kommen zudem Brennstoffzellen oder Oberleitungen in Frage.“

Damit unterstützt die Leopoldina den aktuellen Kurs, Automobilhersteller mit staatlicher Beihilfe für den chinesischen E-Auto-Markt zu ertüchtigen – wo die verkauften Fahrzeuge, da mit Kohlestrom betrieben, die globalen Treibhausgasemissionen weiter erhöhen werden.

Das reiht sich nahtlos in die übliche affirmative Begleitforschung ein:

  • Nicht ein Wort darüber, dass E-Autos (wie alle zusätzlichen Stromverbraucher) die Fossilstromproduktion erhöhen; in Deutschland sogar vorrangig Kohlestrom.
  • Ein Kostenvergleich der E-Auto-Förderung (incl. der Errichtung der Ladeinfrastruktur) mit der Dekarbonisierung via Synfuels fehlt natürlich auch.

Immerhin wird die Notwendigkeit angesprochen, auch in Zukunft erhebliche Mengen an Energie zu importieren: „Wichtige Elemente der Energieinfrastruktur sind zudem ihre Schnittstellen zum benachbarten Ausland über Leitungen und Pipelines sowie zu Überseegebieten über leistungsfähige Energiehäfen, um Wasserstoff und daraus hergestellte Produkte importieren zu können. … Zwingend notwendig sind Investitionen in globale Energiepartnerschaften, denn es wird äußerst schwierig sein, die für Mitteleuropa benötigte Energie allein durch den Aufbau von PV und Windenergie in Europa bereitzustellen. Internationale Energieimporte werden daher langfristig erforderlich bleiben. In den nächsten Jahrzehnten könnte an zahlreichen Orten weltweit – bspw. in Australien, Marokko oder Chile – über Sonne und Wind relativ kostengünstig Wasserstoff hergestellt und global verteilt werden.“

Dass nur vom Import von Wasserstoff die Rede ist, deutet allerdings darauf hin, dass man sich darüber noch wenig Gedanken gemacht hat – oder aber dem Reizthema Synfuels aus opportunistischen Gründen ausweichen wollte.

Dann werden noch die Verfechter von Suffizienzstrategien ein wenig getätschelt: „Auch Ansätze der Suffizienz bieten viel Potenzial für neue Geschäftsideen und Innovationen und tragen zum Klimaschutz bei.“

Der Text wirkt insgesamt lustlos und uninspiriert geschrieben, wie eine aus anderen Papieren zusammengestellte Pflichtarbeit. Neue Gedanken oder Anregungen, die man nicht längst anderswo nachlesen konnte? Fehlanzeige.

Sollten die politischen Entscheider eines Tages doch wieder zur Vernunft kommen, dann muss dem wohl die Einsicht der unmittelbar Betroffenen in Machbarkeiten und tatsächliche Interessenlagen vorausgehen (wie z.B. jüngst AUDI mit der Entscheidung, den Verbrenner entgegen allen politischen Vorgaben doch weiterzuentwickeln). Die einschlägigen Beratergremien scheinen dabei eher hinderlich zu sein.

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Bild: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/thumb/c/cc/Deutsche_Akademie_der_Naturforscher_Leopoldina_Logo.svg/1280px-Deutsche_Akademie_der_Naturforscher_Leopoldina_Logo.svg.png

2 Antworten auf “Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen”

  1. Hallo Herr Ruhsert,

    da kann man nur hoffen, dass die anderen Teil des Dokuments mehr Substanz haben. Warum dass sich so studierte Leute sich so einfach vor den Elektro-Auto-Karren spannen lassen – schon eigenartig.

    Grüße

    Helmut Zell

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    1. Hallo Herr Zell,
      eine erste Durchsicht ergab keine neuen, eigenen Akzente.
      Der Kreis der Autoren ist heterogen. Da hat halt jeder beigesteuert, was er zuvor selbst anderswo geschrieben oder irgendwo aufgeschnappt hatte.
      Dieses Positionspapier erscheint mir etwas überflüssig. Ein kurzes „Die Leopoldina stimmt S4F in allen Punkten zu“ hätte m.E. denselben Zweck erfüllt.
      Gruß
      Kai Ruhsert

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