Frans Timmermans‘ Elektroautoschwindel 2.0

(English version below)

Der VDA warnt:

„Die Überlegungen der EU-Kommission, die sog. Flottengrenzwerte für Neufahrzeuge ab 2035 auf Null zu senken würde die europäische Automobilindustrie faktisch dazu zwingen, nur noch rein batterieelektrische Fahrzeuge auf den Markt zu bringen. Das wäre nicht nur das Ende des Verbrennungsmotors, sondern auch das Ende des Plug-In-Hybrids und ist das Gegenteil von Technologieoffenheit, zu welcher sich die Kommission und ihr Vizepräsident Timmermans immer bekannt hat.“

Diese Warnung ist mehr als berechtigt, lässt den entscheidenden Punkt jedoch unerwähnt:

Der Plan der EU-Kommission, die Emissionen ab 2035 auf null zu senken, basiert auf einer Täuschung der Öffentlichkeit

Denn als Nullemissionsfahrzeuge kann die E-Autos nur betrachten, wer die THG-Emissionen der Stromerzeugung beharrlich ignoriert. Tatsächlich verursachen Elektroautos aufgrund des Zusatzstrombedarfs sogar höhere Emissionen als Verbrenner, da es vorrangig Kohlekraftwerke sind, welche die zusätzliche Regelleistung stellen. Nach Abschaltung der Kohlekraftwerke werden die E-Autos immer noch weit davon entfernt sein, mit null Emissionen zu fahren; dann werden Gaskraftwerke CO2 emittieren, um den zusätzlichen Ladestrom zu produzieren.

Auch die Behauptung, E-Autos könnten die CO2-Emissionen im Grunde gar nicht erhöhen, weil der Stromsektor vom Emissionshandel „gedeckelt“ sei, ist kaum mehr als ein billiger Taschenspielertrick, um reale Emissionen mit kreativer Bilanzierung scheinbar im Nichts verschwinden zu lassen. Eine solche Deckelung im Sinne einer echten Begrenzung gab es nie und wird es auch nicht geben (mehr dazu dort).

Klimapolitik dient den Akteuren hier nur als Vorwand. Die wahren Ziele waren schon im „Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität der Bundesregierung“ von 2009 unmissverständlich formuliert:

„Mit der Entwicklung von geeigneten Rahmenbedingungen für die Elektromobilität will die Bundesregierung zwei Hauptziele verfolgen: Erstens, einen möglichst großen Anteil von Elektrofahrzeugen unter den Neuzulassungen zu erreichen, und zweitens, die Nutzung von Strom aus regenerativen Energiequellen für die Elektromobilität zu fördern.“

Hinweise darauf, dass es mit der Klimabilanz des BEV nicht zum Besten bestellt ist, wurden als störend zurückgewiesen:

Darüber hinaus muss vermieden werden, dass der Marktzugang von Elektrofahrzeugen durch ein falsches Image in der öffentlichen Wahrnehmung erschwert wird, weil Elektrofahrzeuge in der Öffentlichkeit mit neuen Emissionen in der Stromerzeugung verbunden werden könnten.“

Der Markthochlauf der Elektromobilität dient nicht dem Ziel, Emissionen zu verringern; kurz- bis mittelfristig steigen diese sogar. In Wahrheit missbrauchen Politiker wie Timmermans die Legislative, um industriepolitische Ziele durchzusetzen und unter Vorspiegelung falscher Tatsachen den Abschied vom Verbrenner zu erzwingen. Sie bilden sich ernsthaft ein, besser zu wissen, welches der Antrieb der Zukunft sein wird.

Man könnte meinen, in einen schlechten Film mit unplausiblem Drehbuch geraten zu sein. Bei hinreichender Courage und funktionierender Gewaltenteilung hätten sich längst Ökonomen und Ingenieure zusammengetan und eine Klage beim Europäischen Gerichtshof eingereicht, um diesem falschen Spiel mit fatalen Folgen ein Ende zu bereiten. Verbände wie der VDA treten jedoch weiterhin handzahm auf und warten ab, was in Brüssel hinter verschlossenen Türen entschieden wird. Das lässt mich eine schon einmal gestellte Frage wiederholen:

Bereitet es eigentlich Vergnügen, sich (beinahe) widerstandslos der eigenen Schlachtung zuführen zu lassen?

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—- Nachtrag am 20. Juni 2021:

Während der VDA es dabei belässt, über gefährdete Jobs und nicht eingehaltene Zusagen zu jammern, benennt die European Association of Automotive Suppliers explizit die Unstimmigkeiten der EU-Vorgaben:

„Für einen effektiven und effizienten Weg zur Klimaneutralität ist es notwendig, alle Technologieoptionen zu nutzen und Energie und Kraftstoffe zu defossilisieren. Dies erfordert ehrgeizige CO2-Ziele, die die „Well-to-Wheel“-Emissionen über ein Gutschriftensystem berücksichtigen, kombiniert mit ehrgeizigen Zielen in den Vorschriften für erneuerbare Energien, einschließlich eines Teilziels für Wasserstoff und nachhaltige Kraftstoffe, und einer Überarbeitung der Energiebesteuerung zur Beseitigung von Ungereimtheiten.“

(in deutscher Übersetzung; die Hervorhebungen wurden nachträglich hinzugefügt)

Bild: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d9/Pied_Piper2.jpg

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English version:

Frans Timmermans‘ electric car swindle 2.0

The VDA warns:

„The EU Commission’s plans to reduce the so-called fleet limits for new vehicles to zero from 2035 would effectively force the European automotive industry to market only purely battery-electric vehicles. This would not only be the end of the combustion engine, but also the end of plug-in hybrids and is the opposite of technological openness, which the Commission and its Vice President Timmermans have always professed.”

The warning is more than justified, but does not address the crucial point:

The EU Commission’s plan to reduce emissions to zero from 2035 is based on deceiving the public

The reason is that you can only consider e-cars as zero-emission vehicles if you persistently ignore the GHG emissions from electricity generation. In fact, electric cars actually cause higher emissions than internal combustion engines due to the additional electricity demand, since it is primarily coal-fired power plants that provide the additional regulating power. After coal-fired power plants are shut down, e-cars will still be far from zero emissions; then gas-fired power plants will emit CO2 to produce the additional charging power.

Also, the claim that e-cars basically cannot increase CO2 emissions at all because the electricity sector is „capped“ by emissions trading is little more than a cheap sleight of hand to make real emissions seem to disappear into nothingness with creative accounting. There never was and never will be such a cap in the sense of a real limitation (more on this there).

Climate policy only serves as a smokescreen for the players here. The true goals were already clearly formulated in the German government’s „National Electromobility Development Plan“ of 2009

„By developing suitable framework conditions for electromobility, the German government intends to pursue two main objectives: First, to achieve the largest possible share of electric vehicles among new registrations, and second, to promote the use of electricity from renewable energy sources for electromobility.“

References to the fact that the climate balance of the BEV is not the best were dismissed as disturbing:

Furthermore, it must be avoided that the market access of electric vehicles is hampered by a false image in the public perception, because electric vehicles could be associated in the public with new emissions in electricity generation.“

The market ramp-up of electromobility does not serve the goal of reducing emissions; in the short to medium term, they will actually increase. The truth is that politicians like Timmermans are abusing the legislature to push through industrial policy goals and force a phase-out of the internal combustion engine under false pretenses. They seriously imagine that they know better what the powertrain of the future will be.

You might think you’ve stumbled into a bad movie with an implausible script. With sufficient courage and a functioning separation of powers, economists and engineers would have long since joined forces and filed a complaint with the European Court of Justice to put an end to this false game with fatal consequences. Associations like the VDA, however, continue to act tamely and wait to see what is decided behind closed doors in Brussels. This makes me repeat a question I have asked before::

Does it actually give pleasure to be led (almost) without resistance to one’s own slaughter?

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— Addendum on 20 June 2021:

While the VDA leaves it at lamenting about endangered jobs and unfulfilled promises, the European Association of Automotive Suppliers explicitly names the inconsistencies of the EU specifications:

For an effective and efficient path to climate neutrality, it is necessary to use all technology options and defossilise energy and fuels. This requires ambitious CO2 targets that take ‘well-to-wheel’ emissions into account via a crediting scheme, combined with ambitious targets in the renewable energy rules, including sub target for hydrogen and sustainable fuels, and a revision of the energy taxation to remove inconsistencies. This way, all efficient technologies could compete in the market and emissions would be reduced from new vehicles and the existing fleet alike.“

(the highlights were added afterwards).

Picture: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d9/Pied_Piper2.jpg

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