Pseudokritischer Journalismus von ZEIT ONLINE – Beispiel: Christoph M. Schwarzer

Auf ZEIT ONLINE wird beklagt: „Das CO2-Label für Autos ist nicht zu gebrauchen.“

Das stimmt natürlich. Größe und Ausstattung von Autos mit einem Bonus zu belohnen und auf diese Weise Mehrverbräuche zu vertuschen, ist inakzeptabel.

Dieser Autor wagt sogar ein wenig Kritik an der Einstufung von Elektroautos als Nullemissionsfahrzeuge: „Und auch batterieelektrische Autos fahren nicht unbedingt emissionsfrei.“

Doch dann lässt ihn sein Hintergrundwissen im Stich: „Je nach Stromherkunft entstehen indirekt CO2-Emissionen – wenn die Fahrerin nicht nur Ökostrom tankt. ‚Darum wäre es sinnvoll, bei Elektroautos die CO2-Emissionen bezogen auf den deutschen Strommix als zusätzliche Information anzugeben‘, sagt VCD-Sprecher Müller-Görnert.“

Das kommt halt dabei heraus, wenn man überwiegend von anderen abschreibt und sich zu wenig eigene Gedanken macht. Schwarzer hätte beispielsweise beim Blick auf die folgende Meldung nachdenklich werden können. AGORA berichtet über das Jahr 2020:
„Insbesondere die Kohleverstromung erreichte einen neuen Tiefststand seit Beginn der ganzheitlichen Aufzeichnung im Jahr 1990. … Der Nachfragerückgang wirkte sich fast ausschließlich auf die fossile Ener­gieerzeugung aus, da diese in der Merit-Order – die Einsatzreihenfolge der Kraftwerke beim Verkauf von Strom an der Börse – hinter den Erneuerbaren Energien stehen und somit als erste ihre Erzeugung reduzieren.“

Was lehrt uns das?
Weniger Stromnachfrage bedeutet in erster Linie weniger Kohlestrom.
Elektroautos bedeuten mehr Stromnachfrage.
Woher kommt also der Ladestrom?

Jetzt überspringen wir mal ein paar Erkenntnisschritte, die Schwarzer, so er den schnellsten Weg suchen sollte, durch die Lektüre nur eines einzigen Büchleins nachholen könnte. Hat man einmal verstanden, dass die Emissionen zusätzlicher Stromverbraucher nicht mit dem Durchschnitts-, sondern dem Marginalstrom zu bilanzieren sind, dann wird schließlich eine umfassende Irreführung der Öffentlichkeit offenbar. Diese Grafik stellt dar, wie stark die Emissionen von Elektroautos durch die Wahl des falschen Strommixes beschönigt werden:

Die Konsequenzen sind heftig: Jeder für Elektromobilität ausgegebene Euro aus Steuermitteln ist im Hinblick auf die Verringerung der Treibhausgasemissionen nutzlos vergeudet.

Würde Schwarzer darüber berichten, so verdiente er es, ein kritischer Journalist genannt zu werden. Doch davon scheint (leider nicht nur) er weit entfernt zu sein.

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