Lesebefehl: „Phänomen Dunkelflaute – Der Kohle-Ausstieg hielt nur acht Tage“

Ein großflächiger Stromausfall sei auch in der Energiewende sehr unwahrscheinlich, verkündete der Mathematiker und Energie-Experte Christoph Mayer im Dlf:
„Wir gehen nicht davon aus, dass Dezentralisierung in irgendeiner Form ein zusätzliches Risiko darstellt. Es ändert sich natürlich die Risikostruktur, also andere Fehler sind möglich, Wind oder PV als solche sind kein Risiko. Wir hatten ja vor einigen Jahren eine Sonnenfinsternis in Europa, und das ist extrem gut abgefangen worden, da fielen alle PV aus, die Auswirkungen waren exakt null, also da geht kein zusätzliches Risiko für Blackout rein.“

Und Professorin Claudia Kemfert bestätigt:
„Es droht keine Stromlücke durch die Abschaltung der AWKs, da wir ohnehin einen Stromüberschuss produzieren und derzeit mehr Strom exportieren als importieren.“

Die Politiker folgen weitgehend solchen Empfehlungen, weil sie glauben, auf diese Weise mit populären Maßnahmen bei den Wählern zu punkten.

Doch nun droht Unheil.

Das Unternehmen Uniper, in welches E.on im Jahre 2016 die Bereiche fossile Kraftwerke, Energiehandel und Gaspipelines ausgelagert hatte, wollte zum 1. Januar 2021 das größte deutsche Steinkohlekraftwerk Heyden abschalten.

Zitat aus der WELT:
„Zu früh, wie sich jetzt zeigt. Nach Auskunft der Bundesnetzagentur ist das Kohlekraftwerk womöglich vorerst unverzichtbar für die sichere Stromversorgung. Die Anlage, die seit ihrer Abschaltung am Neujahrstag noch in ständiger Betriebsbereitschaft gehalten wird, musste auf Ersuchen des Netzbetreibers Tennet seit dem Jahreswechsel bereits sechsmal wieder hochgefahren werden.“

Es kommt noch doller:
„Tennet hat bei der Behörde beantragt, das Großkraftwerk als ’systemrelevant‘ einzustufen.“

Fazit des Autor Daniel Wetzel:
„Dass der Kohleausstieg bereits so früh ins Stottern kommt, hatten die Energiewendeplaner offenbar nicht kommen sehen. Der nächste große Test für die Systemsicherheit folgt Ende dieses Jahres, wenn auf einen Schlag mit Grohnde, Brokdorf und Gundremmingen C drei der sechs verbliebenen deutschen Kernkraftwerke abgeschaltet werden sollen – zusätzlich zu den weiteren Stilllegungen von Kohlekraft: Die Bundesregierung hat bereits Stilllegungsbeihilfen für weitere 1,5 Gigawatt ausgeschrieben.“

Wer genauer verstehen will, was hier gerade geschieht, kann sich auf stromdaten.info davon überzeugen, dass selbst eine Verdoppelung der Stromerzeugungskapazität aus EE das Problem der Dunkelflauten nicht lösen würde.

Mir wird bisweilen vorgeworfen, zu scharf zu formulieren. Daher möchte ich jetzt nur diese Frage stellen: Kann es klug sein, diese fragile Infrastruktur zukünftig auch noch mit dem Ladestrom für Millionen Elektroautos zu belasten?

P.S.
Beim WELT-Artikel lohnt es sich ausnahmsweise, auch durch die Kommentare zu blättern. So schrieb etwa ein Thomas B.: „Wenn die Spitzenglättung nicht mehr ausreicht, wird die Regierung fälschungssichere Stromgutscheine drucken lassen.“

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5 Antworten auf “Lesebefehl: „Phänomen Dunkelflaute – Der Kohle-Ausstieg hielt nur acht Tage“”

  1. Hallo Kai,
    ich denke mit:
    „Die Politiker folgen weitgehend solchen Empfehlungen, weil sie glauben, auf diese Weise mit populären Maßnahmen bei den Wählern zu punkten.“

    tust du den Wissenschaftlern Unrecht bzw. der Knackpunkt ist der Begriff „weitgehend“, denn wenn ich die beiden erstgenannten Links lese finde ich den eindeutigen Hinweis, das es bei der Infrastruktur noch sehr mau aussieht. Mal ein Zitat von Frau Kemfert:

    „Heute beträgt der Anteil der Ökoenergienungefähr 16 Prozent und soll auf 80 Prozent erhöht werden. Dafür braucht man Zeit. In der Zwischenzeit gehen alte Kohlekraftwerke vom Netz und sollten nach Möglichkeit besser durch Gaskraftwerke ersetzt werden. Zudem muss die Infrastruktur massiv ausgebaut werden und wir benötigen Energiespeicher.“

    Das Problem ist eher das die Politik (quer durch alle Lager) sich Einzelpunkte raussucht die sie hypen, aber ignorieren das meist vorher noch Nebenbedingungen zu erfüllen sind. Das Problem aktuell bei der Stromwende ist, das man den 3. Schritt vor dem 2. gehen will und das geht Naturgemäß in die Hose. Der Ausbau der EE Erzeuger ist mittlerweile so groß, das für die effektive Nutzung dieser meist volatilen Stromerzeuger erst mal eine Pufferstruktur notwendig ist bevor man anfangen kann die regelbaren fossilen Kraftwerke abzuschalten. Da das aber natürlich langwierig und unsexy ist versucht man den populäreren Schritt vorzuziehen da es gerade im Trend liegt und die allermeisten Wähler eh wenig Ahnung von Technik haben und zur Not gut auf Ausreden alla „die böse Industrie hat uns betrogen“ anspringen. Hat ja beim Diesel auch super geklappt, das UBA wusste seit Jahren das Real und Normschadstoffaustoß weit auseinanderklaffen können, hat nur niemanden interessiert und als das Thema plötzlich aufploppte tat man völlig überrascht…na ja. Hier sehe ich btw viele parallelen zum Thema E-Auto, der Mechanismus ist schon sehr ähnlich.

    Aber andererseits ist es vielleicht mal ganz gut wenn wir wirklich mal ein paar Tage einen Black-out bekommen damit das Thema wirklich mal wieder mehr auf technischer und weniger auf ideologischer Basis angegegangen wird. Je früher das passiert desto früher wird auch eine realistische und bezahlbare Energiewende möglich sein, je länger wir weiter in die falsche Richtung fahren umso härter werden die dann notwendigen Maßnahmen sein.

    Gruß
    Thorsten

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    1. Solche Wissenschaftler haben sich dazu hergegeben, eine Politik mit diesem Ergebnis zu legitimieren (Zitat aus Wikipedia): „Infolge starker Überkapazitäten im deutschen und europäischen Kraftwerkspark und der sich u. a. daraus ergebenden sehr niedrigen Börsenstrompreise, ruhen aktuell die meisten konventionellen Kraftwerksprojekte, da die Wirtschaftlichkeit aktuell häufig nicht mehr gegeben ist. Dies trifft im Besonderen auf Gaskraftwerke zu, die in der Einsatzreihenfolge der Kraftwerke, der sog. Merit-Order, erst sehr spät zum Zuge kommen und dementsprechend sinkende Betriebsstunden aufweisen.“
      De facto werden also Kohlekraftwerke stillgelegt und kaum Gaskraftwerke gebaut. Energiespeicher zur Überbrückung von Dunkelflauten sind nicht in Sicht. Das Lademanagement soll bloß dazu dienen, Probleme zu entschärfen, die durch E-Autos überhaupt erst entstanden sind.
      Unter diesen Bedingungen einfach noch mehr Ökostrom zu produzieren, erhöht weiter die Kosten für die Regelenergie.
      Was schreibt Frau Kemfert hierzu:
      * „Die ausgeschriebene Windenergiemenge muss verdoppelt werden“ (https://www.claudiakemfert.de/die-ausgeschriebene-windenergiemenge-muss-verdoppelt-werden/)
      * „Wir brauchen die Kohlekraftwerke nicht, um die Versorgungssicherheit und Grundlast zu sichern. Mythos Grundlast! Der einzige Grund an der Kohlekraft festzuhalten, ist Nostalgie.“ (https://www.claudiakemfert.de/energiewende-aber-ehrlich-gemeint-und-umgesetzt/)
      Das muss nicht mehr kommentiert werden.

      Versorgungssicherheit bekämen wir z.B., indem wir Kraftstoffe aus Rohöl mit Synfuels aus regenerativen Quellen ersetzten – dort produziert, wo es diese Quellen im Überfluss gibt und der Wirkungsgrad deshalb nicht die entscheidende Rolle spielt, sondern allein die Kosten entscheiden.
      Doch was schreibt diese Dame zu Synfuels? „Von Herstellung bis Nutzung von synthetischen Kraftstoffen gehen über 80 % der Energie verloren.“ https://twitter.com/ckemfert/status/1314216973207654400
      Sie glaubt wohl nur davor warnen zu müssen, hierzulande erzeugten und knappen Ökostrom zu vergeuden. Dass sich via Synfuels eine beinahe unerschöpfliche Energiequelle im Ausland erschließen ließe, ignoriert sie einfach.

      Da wundert es mich übrigens gar nicht, dass sie auch dem Elektroclown aus Holland auf den Leim gegangen ist: https://derelektroautoschwindel.wordpress.com/agitprop-von-auke-hoekstra-und-maarten-steinbuch/

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  2. Nun zu meiner „Verteidigung“ muss ich sagen das sich mein Kommentar nur auf die verlinkten Artikel beziehen. Ich recherchiere nicht nach was jemand anderswo noch sagt.

    Und zum Twitter Kommentar von Frau Kemfert, da sehe ich einen prima Angriffspunkt um sie mit ihren eigenen Aussagen zu widerlegen. Einerseits fordert sie eine Speicherinfratruktur für den volatilen PV und Windstrom (seh ich auch so, was das dann konkret heißt ist wieder ein neues Thema) und andererseits postet sie ein Schaubild zu Wirkungsgraden von Mobilitätkonzepten im Vergleich wo die dadurch entstehenden Verluste zumindest im Pfad „BEV“ komplett ignoriert werden. Ich mein das in der gepostete Grafik noch viele weitere Aspekte nicht wieder gibt kommt noch oben drauf und ein wirklich ehrlicher vollumfänglicher würde zeigen das mit dem Pfad „BEV“ kaum Energie eingespart wird bzw. wenn es blöd läuft sogar noch mehr Energie benötigt (man bedenke den Reboundeffekt der dadurch verursacht wird ständig vorgebetet zu bekommen wie unheimlich Umweltfreundlich ein BEV doch ist, da ist doch klar was passiert).
    Das man mit PTx Ansätzen Verbrauch und Produktion viel besser entkoppeln kann, zeitlich wie Räumlich ist ja nur noch ein weiteres Argument warum es dumm wäre jetzt voll auf E zu setzen und den Verbrenner zu beerdigen.

    Gruß
    Thorsten

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