VDI/KIT-Studie: Ökobilanz von Pkws mit verschiedenen Antriebssystemen

Quelle: Ökobilanz von Pkws mit verschiedenen Antriebssystemen
Oktober 2020; von Thomas Koch, Olaf Toedter, Philipp Weber (Karlsruher Institut für Technologie (KIT)):

Zur Frage des verwendeten Strommixes schreiben die Autoren:
„THG in Abhängigkeit vom Strommix im Betrieb:
Wenn nicht anderweitig vermerkt, wird eine Nutzung in Deutschland angenommen. Es werden jahresabhängige Brutto-Strommixe, das heißt inklusive Leitungs- und Umspannverlusten, berücksichtigt. An ausgewählter Stelle wird zum Vergleich auch der Strommix der Europäischen Union (EU) herangezogen.“

Obwohl als Kritik an der einseitigen Förderung des Elektroautos intendiert, repetiert dieses Papier kritiklos den systematischen Fehler vieler Auftragsstudien, den Zusatzstrombedarf der Elektromobilität in der Klimabilanz nicht als Residuallast einzustufen. Diese kann nur von regelbaren, in Deutschland also fossilen Kraftwerken gedeckt werden kann. Die Themen Marginal- oder Zusatzstrom werden in diesem Papier dennoch nirgends angesprochen.

Allein mit diesem Kardinalfehler werden die Emissionen der E-Autos rechnerisch halbiert!

Ein tendenziell günstiges Fazit für Verbrenner konnten die Autoren nur erzielen, indem sie einen anderen Fehler der Professoren Sinn & Buchal wiederholten und für Dieselfahrzeuge besonders niedrige Verbräuche annahmen: „Das Dieselfahrzeug wird mit einem WLTC-Verbrauch von 4,5 ℓ/100km hinterlegt.“

Das Beispielfahrzeug wiegt 1,5 to und 110 kW Leistung. Für Diesel-Pkw des Baujahres 2020 mit dieser Motorleistung weist spritmonitor.de einen Durchschnittsverbrauch von 6,5 Litern aus (Datum des Abrufs: 18.4.2021).

Der in der Studie angenommene Verbrauch weicht somit um ca. 30 % nach unten von der Praxis ab.

BEV-Pkw desselben Baujahrs mit 100 kW haben einen Durchschnittsverbrauch von 17,5 kWh/100km.

Der Verbrauch des BEV wird in der Studie mit 15,8 kWh/100 km nur um knapp 10 % zu gering gesetzt.

Eine Kurve auf Seite 9 des Papiers ergibt für Diesel je nach Laufleistung geringere Treibhausgasemissionen als mit BEV. Mit realistischeren Verbrauchswerten hätte dieses Ergebnis auf Basis der sonstigen fehlerhaften Annahmen in diesem Papier nicht erzielt werden können.

Die gravierenden systematischen und handwerklichen Fehler dieser Studie bieten so viele Ansatzpunkte für Kritik von allen Seiten, dass nur ein Fazit bleibt: Wer solche Freunde hat, braucht keine Feinde mehr.

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